Stellen Sie sich vor ...
Sie haben ab morgen nur noch einen Bruchteil Ihrer Energie! Sie fühlen sich krank - viel kränker als jemals zuvor in Ihrem Leben. Eine lähmende Erschöpfung und zahlreiche schwere Symptome machen den Alltag zur Hölle. Jede noch so kleine Aktivität wird zur Qual. Trotz umfangreicher medizinischer Untersuchungen findet sich keine Erklärung für diesen Zustand.
Was ist CFS?
Das Chronische Erschöpfungssyndrom (Chronic Fatigue Syndrome = CFS) ist durch eine lähmende geistige und körperliche Erschöpfung / Erschöpfbarkeit und weitere, individuell unterschiedliche Symptome charakterisiert. Die Erschöpfung muß mindestens 6 Monate andauern und zu einer schwerwiegenden Leistungsminderung gegenüber früher Gewohntem führen. Anders als der Name es nahelegt, macht die Erschöpfung nur einen Teil des CFS aus.
Die extreme Erschöpfung macht jedoch nur einen Teil des CFS aus. Leider verharmlost der Name das Krankheitsbild und gibt die Vielfalt der durch CFS verursachten Symptome nicht wieder.
Zum Chronischen Erschöpfungssyndrom gehören Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie nicht erholsamer Schlaf, empfindliche Lymphknoten, Nervenzuckungen und Kribbeln im Körper, Depressionen, Ohrgeräusche, Sehstörungen, Allergien, subfebrile Temperaturen, sowie eine anhaltende Verschlechterung des Zustandes nach Anstrengung und vieles mehr.
Bei der Mehrzahl der Erkrankten entwickelt sich die Krankheit schlagartig nach einem benennbaren Ereignis. Andere berichten von einer schleichenden Verschlechterung ihres Allgemeinzustandes. Die Beschwerden können über Jahre hinweg anhalten. Ursachen und Krankheitsmechanismen des CFS sind bis heute nicht bekannt. Immunfehlfunktionen oder -defekte, Viren, hormonelle Störungen, Pilze, psychische Faktoren, anhaltender Streß oder Umweltgifte werden international als Auslöser diskutiert. Kern der Erkrankung ist offenbar eine Schwächung bzw. chronische Aktivierung des Immunsystems.
Wie wird das CFS diagnostiziert?
CFS ist eine Erkrankung, die sowohl Medizinern als auch Betroffenen häufig nicht bekannt ist. Es gibt für das CFS bislang keine beweisenden Labortests oder objektivierende Untersuchungen. So führt der Weg zur Diagnose über eine gründliche Anamnese, eine eingehende körperliche Untersuchung und den Ausschluß anderer Erkrankungen, die ebenfalls eine anhaltende Erschöpfung verursachen können.
Was hilft bei CFS?
Eine allgemeine Therapieempfehlung kann nicht gegeben werden. Welche Medikamente das Krankheitsbild bessern können, ist umstritten. Je nach individueller Ausprägung des Krankheitsbildes können der Ausgleich von Mangelzuständen, die Behandlung chronischer Infektionen, Vermeiden von Intoxikationen, Ernährungsumstellung, Physiotherapie und auch psychotherapeutische Unterstützung hilfreich sein.
Manchen CFS-Kranken bringt eine homöopathische oder naturheilkundliche Behandlung Besserung. Andere versuchen, sich auf das Leben mit CFS so gut als möglich einzustellen ("coping").
Die Situation der Erkrankten
CFS-Kranke leiden nicht nur unter ihrer Krankheit, sondern auch unter den sozialen, psychischen und materiellen Folgen ihrer Erkrankung.
Sie stoßen mit ihrer nicht sichtbaren Behinderung in einer unzureichend informierten Umwelt häufig auf Unverständnis. Oft werden sie von Medizinern nicht ernst genommen, sondern vorschnell als psychisch labil angesehen. Manche verheimlichen ihre Symptome und versuchen mit letzter Kraft, ihre Einschränkungen zu kompensieren. Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, vor andauernder Arbeitsunfähigkeit und Scham über das reduzierte Leistungsvermögen können zusätzliche Belastungen sein. Auseinandersetzungen mit Krankenkassen und anderen Leistungsträgern zu Diagnostik, Therapie, Rehabilitation oder Berentung verschlimmern in vielen Fällen die Situation der Erkrankten.
Während die Schulmedizin das CFS derzeit noch immer weitgehend ignoriert, führen überzogene Heilungsversprechen unseriöser Behandler/innen und gescheiterte Therapieversuche die Erkrankten oft in einen Teufelskreis von Hoffnung und Enttäuschung, der allein nur schwer zu durchbrechen ist.
( Der Text wurde mit freundlicher Genehmigung aus dem Faltblatt "CFS" vom Fatigatio e.V. übernommen )
